Per Discobus ins Nachtleben
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21.12.2011

Per Discobus ins Nachtleben

Von Hinnerk Schröer - Nordhorn/Schüttorf. Am Wochenende zieht es das Partyvolk ins Nachtleben. Das ist in der Provinz nicht anders als in der Großstadt. Dass auch Temperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt junge Leute nicht von einem Disco-Besuch abhalten können, wurde neulich am Sonnabend am Nordhorner Busbahnhof „ZOB“ offenbar. In der Kälte harren Feierwillige aus, die in der Nacht dem „Index“ in Schüttorf einen Besuch abstatten wollen. Um die Großraumdiscothek zu erreichen, sind sie seit Anfang Dezember nicht mehr nur auf das eigene Auto oder andere Mitfahrgelegenheiten angewiesen. Was in anderen Regionen bereits seit vielen Jahren gang und gäbe ist, gibt es jetzt auch in der Grafschaft: einen Discobus.

Die Vorteile liegen auch für Meral, Aleu und Stancho auf der Hand. Das Nordhorner Trio ist das erste Mal in den Discobus gestiegen, der am ersten Freitag des Monats und an jedem Sonnabend ab 23 Uhr von Nordhorn über Gildehaus und Bad Bentheim nach Schüttorf fährt. Lange Diskussionen, wer mit dem Fahren dran ist und vielleicht die ganze Nacht nur mit angezogener Handbremse feiern muss, können sich die Drei diesmal sparen. „Jetzt können wir alle richtig feiern“, freut sich Meral, die ihr Auto diesmal zu Hause lassen konnte, auf die Disco-Nacht.

Die Frage nach dem Fahrer ist das eine. Die Sicherheit das andere. Denn Unfälle von Discotheken-Besuchern kommen leider nicht aus den Schlagzeilen. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn zu Müdigkeit oder Überschwang auch noch Glätte und Nebel kommen. Noch in der Vorbereitungsphase des Grafschafter Discobusses für das „Index“ kam es in Westfalen zu einem tragischen Verkehrsunfall. Dort starben auf dem Weg in die Schüttorfer Discothek drei junge Männer aus Gronau. Daraufhin wurde kurzentschlossen auch die Strecke Gronau – Epe – Schüttorf in das neue Angebot aufgenommen.

„Bustourismus“ am Index

Um kurz vor Mitternacht kommt es so vor dem „Index“ geradezu zu einem Bustourismus. Der Parkplatzeinweiser hat auf jeden Fall alle Hände voll zu tun. „Drei Busse waren schon da. Jetzt kommen die nächsten“, sagt der Mann, der mit einer Taschenlampe und einer Warnweste ausgerüstet ist. Im Emsland hat das Discobus-Angebot bereits lange Tradition. Dort steuert die „Nachteule“ von Lingen aus sternförmig verschiedene Clubs und Discotheken an – darunter auch das „Index“ in Schüttorf. Genau nach Fahrplan, um 23.55 Uhr, hat am Sonnabend auch der Discobus aus Nordhorn sein Ziel erreicht. Eilig springen die Fahrgäste auf und streben ihrem Ziel entgegen: dem illuminierten Eingang. Am Sonnabend Mitte Dezember ist die Zahl der Fahrgäste mit einem guten Dutzend noch überschaubar. Allerdings steckt das neue Angebot ja auch noch in den Kinderschuhen. Die Testphase läuft erstmal bis zum 30. Juni 2012. Wie gut ein etablierter Service angenommen wird, zeigt sich nur wenige Minuten später. Da rollen zwei Busse aus dem Emsland an – die bis auf den letzten Platz gefüllt sind.

Aber auch der Grafschafter Discobus hat in seiner kurzen Bestandsphase schon zahlreiche Gäste befördert. „Nach dem Nikolaus-Kobeln war der Bus richtig voll“, erzählt Tilman. Der Bentheimer kann das Angebot nur wärmstens empfehlen: „Das hat alles super geklappt. Der Bus war pünktlich und der Preis ist genial.“ Drei Euro musste er für Hin- und Rückweg bezahlen. Meral, Aleu und Stancho waren von Nordhorn aus mit jeweils fünf Euro dabei. Für die Tour zur Disco hatte das Trio aber gleich auch noch einige Ideen parat. „Noch cooler wäre es, wenn in dem Bus richtig Musik laufen würde“, betonen die Drei. Einmal in Fahrt sprudeln die Vorschläge: „Und Cocktails müsste es geben.“

Auch wenn diese Innovationen Wunschgedanken bleiben dürften, ist der neu eingerichtete Discobus eine echte Bereicherung fürs Grafschafter Nachtleben. Für einige der Mitfahrer scheint das „Index“ mit seinen verschiedenen Party-Areas allerdings eine Einbahnstraße zu sein. Als Tilman vor zwei Wochen um 4:30 per Bus den Heimweg antrat, bot sich ihm ein gänzlich anderes Bild als auf der vollbesetzten Hinfahrt. „Da war ich fast der Einzige“, erzählt der 20-Jährige lachend.

Quelle: gn-online.de

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